Krabben auf der Marienkirche in Reutlingen

Marienkirche Reutlingen
Nein, das muss man auch als allgemein gebildeter Menschen nicht zwingend wissen: was eine Krabbe mit einem Kirchturm zu tun hat. Denn Krabben in diesem Zusammenhang bezeichnen blattartige Verzierungen aus Stein, die an Turmhelmen und Giebeln „emporkriechen“, deshalb auch Kriechblumen genannt. Diese wurden, als die 1247 bis 1343 gebaute Reutlinger Marienkirche um 1900 restauriert wurde, mit Stahl verstärkt. Erschreckenderweise aber löste sich im vergangenen Herbst eine der 200 Krabben vom Turm und schlug auf dem Kirchvorplatz auf. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Dass die Krabben brechen, liegt laut Architekt Albert Hörz, an der einstigen Restaurierung. Weil Stahl damals nicht rostfrei war, zieht er Wasser in den Sandstein, was diesen platzen lässt. So zerstören sich die Krabben förmlich selbst.
Inzwischen ist der Turm der Marienkirche eingerüstet. Es werden nun nicht nur die Krabben saniert, sondern auch der Glockenträger und der goldene Engel von 1343 auf der 71 Meter hohen Turmspitze. Die Sanierung des Nationalen Kulturdenkmals wird bis 2009 dauern und mindestens 850.000 Euro kosten. Davon muss die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Reutlingen ein gutes Drittel zahlen. Zwar existiert bereits eine Stiftung Marienkirche Reutlingen, doch die befindet sich noch im Aufbau und kann den jetzigen Aufwand nicht alleine schultern. So sind die Reutlinger auf großzügige Spenden angewiesen.
Weitere Information
www.kirchenbezirk.reutlingen.elk-wue.de
Wenn auch Sie ein Herz für Krabben haben …


